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Geistesblitze


Donnerstag, 29. September 2016
Es sind immer die Anderen
By brischitt, 10:19

Das Leben ist nicht nur harmonisch und schön
Wir werden gezwungen durch Tiefen zu geh‘n
Das Menschenkind ist dabei die größte Kraft
ob Ärger es will oder Frieden es schafft

Die Vielfalt des Menschen macht dies nicht leicht
Der eine ist klug, der and’re eher seicht
Der eine braucht zwingend Kontrolle im Leben
Der And’re entscheidet, will sie ihm nicht geben

So funktioniert aber Miteinander nicht
Verstehen legt auf das Wort sein Gewicht
Das Sprechen unterscheidet uns vom Getier
Kommunikation in Ruh‘ ermöglicht ein Wir

Dazu hülfe ‘nen Spiegel zu verwenden
Sich nicht nur drehen vor ihm und zu wenden
Ein symbolischer Blick hinein ob eigener Dingen
Würde an Selbstreflektion ganz vieles bringen

Stattdessen heißt es: es waren die Andr’en
Ob in Familie, beim Freund oder and’ren Kombattanten
Mit dem Finger wird gezeigt, heißt: du bist es schuld
Seinem eigenen Tun schenkt man die größte Huld

Mit Hochmut und Starrsinn wird ein jeder vergrellt
Selbst bei den Nächsten, auf die man einst gezählt
Wichtig ist nur noch: bei mir liegt die Schuld nicht
Man schreckt nicht ‘mal z‘rück vorm „Schlag ins Gesicht“

So wird nun sichtbar, was schon lange verborgen:
Läuft es nicht wunschgemäß, gibt es kein Morgen
Dann zählen auch nicht mehr die Werte, die mal galten
Er/Sie will nur noch „Es sind immer die And’ren“ verwalten

Will‘s dem nicht gleichtun, kehr d‘rum vor meinem Haus
Erkenne Fehler, schließe Sorry nie aus
Es braucht Wille zum Gespräch unter vier Augen
Empörungsorgien im Vorfeld nichts taugen.

Klappt‘s nicht mit Reden und Versöhnung am Ende
Nimmt das Gewesene ‘ne seltsame Wende
Vergessen die Zeit des Wir mit Helfen und Spaß
Größte Distanz oder Feindschaft werden das Maß

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Montag, 22. Februar 2016
Hast du den Sinn des Amtseids verstanden?
By brischitt, 11:09

Gerechtigkeit gegenüber jedermann üben.            
Weißt du eigentlich wirklich was das heißt?        
Sicherlich nicht, dass Teile dürfen uns betrügen!        
Wie sich leider seit zehn Jahren beweist!           

Und wie sieht es denn mit dem Schaden abwenden aus?   
Hast Du wirklich dabei an uns gedacht?                
Das Wahlvolk spendet Dir leider immer noch Applaus!       
Ist blind für vieles, was du falsch gemacht!                

Nennt sich‘s wirklich Pflichten gewissenhaft erfüllen     
was und wie du's im Amt praktiziert?                    
Klingt eher so nach: unser Rechtssystem vermüllen!      
Kaum ist noch erfreulich, was so passiert!               

Hast du des Sinnes Amtseid nicht richtig verstanden?       
Sind‘s für Dich nur Worte, die gut klingen?               
Hast sie nur gesprochen für die Finanzesgranden?       
D‘rum sie dir das hohe Loblied singen!               

Im Eid heißt es nicht, dem schnöden Mammon nachlaufen!   
Doch du hast nur auf die Lobby gehört!               
Dass aber „die Schwächsten“ in viel Armut ersaufen!      
Hat dich bis heute nicht wirklich gestört!               

Bist du denen verpflichtet, die überm Teich kochen?      
Es will mehr und mehr allseits so scheinen!               
Wo und bei wem hast du deinen Schwur vorgesprochen?   
Bist du sicher, dass du kennst die deinen?                

Deutschland heißt dieser Staat, dem du doch dienen wolltest!   
Von EINIGKEIT unsere Hymne spricht!                       
Das  S p a l t e n  der Menschen war es nicht, was du solltest!       
A L L E R   Nutzen mehren! – du tust es nicht!   

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Freitag, 16. Oktober 2015
Ein Märchen - fast wie aus dem Leben gegriffen
By brischitt, 15:07

Jahre ist es her, da begegneten sich zwei Menschen. Er, ein Heißsporn, sie eine Romantikerin mit kreativen Fähigkeiten. Solvey war mächtig in ihn verliebt und genoss die Zeiten mit ihm. Der Galan aber hatte im Hintergrund ein weibliches Wesen, das als treue Seele fungierte. Sie war und blieb die Einzige, die nicht in seinem Bette gelandet war. Vielleicht schätzte er sie gerade deshalb. Aus ihrem Vorhandensein machte er keinen Hehl und so erfuhr jede Geliebte sehr schnell von ihrer Existenz. Diesmal jedoch war es anders. Die beiden Frauen sollten sich kennenlernen.
Das Schicksal geht oft seltsame Wege. Die Liebschaft zerbrach, doch Bianca und Solvey hielten Kontakt.
So also können auch Märchen beginnen.

Sie hatten jede Menge Gesprächsstoff. Gemeinsames Lachen gehörte zu ihren Treffen. Und so erlebten sie gute Zeiten. Bianca erfuhr sehr bald, wie es um Solveys finanzielle Situation stand. Bei ihren Erklärungen dafür schonte sie sich selbst nicht. Bianca war nicht vermögend, aber ihr ging es ganz offensichtlich besser als Solvey und so beschloss sie, ihr den Alltag etwas zu erleichtern. Künftig machten sie, wenn Bianca zu Besuch kam, den Lebensmitteleinkauf gemeinsam. Während Solvey an der Kasse einpackte, zahlte Bianca. Für sie war es ganz selbstverständlich, dass Solvey sich dafür bedankte. Mehr aber erwartete sie auch nicht. Sie gehörte nicht zu jenen Menschen, die ihre guten Taten ständig hören mussten. Für sie war das Dankeschön die Rückmeldung, dass es ihr gelungen war, Freude zu machen. Damit aber war die Angelegenheit auch erledigt.

Mit der Zeit wurde die Verbindung etwas enger und Bianca schlug vor, die wenigen Reisen, die sie tätigen wollte, künftig mit Solvey gemeinsam zu machen. Sie fand, so könnte man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Solvey käme hin und wieder aus ihren vier Wänden und sie hätte Begleitung. Dass Bianca die Reisen bezahlen würde, verstand sich für sie von selbst. Die Gegenleistung waren die netten Gespräche, die Begabung von Solvey, die Straßenkarte quasi im Kopf zu haben und als Navi zu fungieren.
Solvey hinterließ stets den Eindruck, diese Unternehmungen zu genießen und erwähnte immer mal wieder, wie wohltuend es sei, dass Bianca sie zu keiner Zeit die finanziellen Gaben spüren ließe.

Es gab eine Reihe von sehr schönen Erlebnissen, es gab Gemeinsamkeiten, die verbanden. Und da, wo Solvey finanziell nicht mithalten konnte, versuchte sie durch Handarbeiten für Bianca einen Ausgleich zu schaffen. Diese erkannte durchaus, dass die kleinen Gaben für Solvey wichtig waren und nahm sie deshalb gerne an.

Bianca fühlte sich in Gegenwart von Solvey durchaus wohl. Selbst so manche Äußerlichkeit, die eigentlich abstoßend war, übersah sie. Es schien zwischen den beiden Frauen einfach zu stimmen. Das änderte sich, als die Not von Solvey sich verzogen hatte und sie ein besseres Leben führen konnte. Nicht, dass sie nun große Sprünge hätte machen können, aber sie brauchte die Lebensmitteleinkäufe nicht mehr. Nun zeigte Solvey ab und an auch eine Seite, die Bianca fremd war. Hin und wieder war es Schadenfreude, viel mehr aber waren es Grenzüberschreitungen. So äußerte sie
bei ihrem umgehenden Besuch, als Bianca mit einer schweren Erkrankung im Krankenhaus lag „boa, da sieht man erst, wie fett Du bist“. Bianca war nicht fähig Solvey die Türe zu weisen. Zu sprachlos war sie ob dieser respektlosen Aussage.

Solvey wohnte in einer kleinen Wohnung, ausreichend für sie, aber quälend eng, hätten noch weitere drei Personen sich die Wohnung teilen müssen. Das aber geschah eines Tages. Ihr Kind blieb den Strom schuldig und zog, samt Anhang, bei Solvey ein. Bianca bekam den Stress, die ständigen Streitereien mit und überlegte, wie sie Solvey wieder zu ihrem Reich verhelfen könnte. Nachdem sie die Schuldsumme kannte, bot sie an, sie würde den Betrag direkt überweisen, wenn das Kind diese Hilfe annehmen und mit Ratenrückzahlung einverstanden wäre. Es war. Und so kehrte wieder Ruhe in Solvays Leben ein.
Bianca konnte sich in der Vergangenheit stets auf Solvey verlassen, wenn es galt, kleine finanzielle Hilfen zurück zu zahlen. Daher wäre Bianca nicht auf die Idee gekommen, dass es nun Probleme geben könnte. Doch nun zeigte Solvey eine weitere Facette ihres anderen Gesichts. Sie versteckte sich hinter ihrem Kind, es sei erwachsen, es habe die Vereinbarung getroffen, nun müsste es auch dazu stehen. Sie selbst habe damit nichts zu tun.
In einer schwachen Stunde erwähnte Bianca, dass sie wohl das Geld abschreiben könne. Es schien, als ob das das Credo für Solvey wurde.

Eines Tages erfuhr Solvey von einem, für sie, kleinen Vermögen, mit dem sie niemals gerechnet hätte. Einer der ersten Sätze war, dass sie die nächste Reise selbst finanzieren wolle. Das sei ihr sehr wichtig. Bianca freute sich natürlich, nicht nur, dass Solvey das Glück beschieden war, sondern auch über den Anstand. So überließ Bianca vor der nächsten Reise Solvey die Hotelwahl, damit sie über ihr Budget entscheiden konnte. Am Tag der Abreise setzte sich Solvey ins Fahrzeug von Bianca und eröffnete ihr, dass sie ihr Geld doch lieber für eigene Wünsche ausgegeben habe. Erneut war Bianca sprachlos. Sie hatte bei der Ankündigung es zwar Solvey letztlich überlassen, ob sie ihre Hotelkosten selbst übernimmt, aber für sie wäre so ein Verhalten niemals in Frage gekommen.
Die Reise war gespickt mit vielen kleinen Erlebnissen, die Bianca auch genießen konnte. Aber gefühlsmäßig hatte sie neben sich nicht mehr die alte Solvey sitzen.

Wenige Tage nach der Rückkehr blieb Bianca erneut die Spucke weg. Noch 100 Euro für den Rest des Monats in der Tasche, erlaubte sich Solvey einen Handykauf, mit dem Hintergedanken, Bianca würde ihr den notwendigen Lebensunterhalt bis Ultimo vorstrecken. Bianca war diese Denkweise fremd. Sich selbst Wünsche erfüllen und gleichzeitig andere Menschen anpumpen. Für Bianca undenkbar. 

Das Bauchgefühl signalisierte Bianca schon seit längerem das Ende der Verbindung. Denn die Geschehnisse ließen sie erkennen, mit welchem Charakter sie es zu tun hat. Der aber passte schlichtweg nicht zu ihr. Der Verstand aber wehrte sich. Allerdings  hatte die letzte Begebenheit dazu geführt, dass Bianca einen Fremdkörper in sich spürte und der hieß Wut. Die aber ließ sie nun handeln. Sie setzte sich mit Solvey in Verbindung und forderte sie unmißverständlich auf, dafür zu sorgen, dass ab nächsten Ersten das Kind mit regelmäßiger Ratenzahlung beginnt. Drei Jahre und drei Monate Geduld seien genug. Nun war Solvey zwar nicht sprachlos, aber sie erkannte wohl den Ernst der Lage. Sie gab ihr Credo auf und anstandslos zahlte das Kind bis zum letzten Heller.

Dass die beiden Frauen politisch nicht übereinstimmten, war schon lange klar. Aber es ging bei diesen Diskussionen nie respektlos zu, man konnte des anderen Meinung stehen lassen. Auffallend war allerdings, dass Solvey, ungeachtet ihrer finanziellen Situation, an Hilfe für andere nicht wirklich Interesse zeigte und das, obwohl sie in einem sozialen Beruf tätig war. Über Spenden äußerte sie sich stets negativ. Umso erstaunter war Bianca, als sie in einem Forum, in dem sie beide schrieben, Dinge las, die so gar nicht zu Solvey passten. Besonders aber ihre Prahlerei, was sie nun alles für andere tun würde, war für Bianca unerträglich. Sie überlegte sich, wie sie prägnant mitteilen konnte, ohne zu verletzten, dass es jede Menge Menschen in diesem Land gibt, die seit Jahren und zwar in der Stille, helfen würden. Bianca entschied sich für einen Anschlag am schwarzen Brett mit dem Halbsatz ….ich habe einem Menschen geholfen, weil… Es folgte weder Wie oder Was, noch weniger eine Wertangabe, jedoch der Hinweis, dass sie es widerwärtig fände, gute Taten der Öffentlichkeit preis zu geben.

Solveys Kindheit war nicht das, was man glücklich nennt. Besonders aber störte sie sich daran, dass ihre Eltern bei Vorkommnissen nie nach dem Warum gefragt hatten, sondern immer gleich verbal oder real zuschlugen. Gleiches bemängelte sie bei den Eltern ihrer Enkel. Aber wie das so mit dem Glashaus und den Steinen ist, sie selbst hielt es in einem Brief, den sie an Bianca schrieb, nicht anders. Der Anschlag am schwarzen Brett war dafür die Veranlassung. Sie begann zwar mit einer Frage, wartete jedoch nicht die Antwort ab, sondern schrieb sich den Frust von der Seele. Bianca habe ihr in schwerer Zeit geholfen. Nun aber frage sie sich, ob Bianca das wirklich so gerne tat, wie sie stets behauptet habe. Vielmehr habe sie das Gefühl, dass an die Hilfe doch Bedingungen geknüpft seien und zwar in Form von Zustimmung zu einem politischen Thema. Zu dem nahm sie aus ihrer Sicht Stellung und endete mit dem Hinweis, dass Bianca nicht mit Solidarität aus Dankbarkeit rechnen könne.

Bianca staunte nicht schlecht und fand den Gedanken Solidarität aus Dankbarkeit ziemlich absurd, besonders auch deshalb, weil es für diese Unterstellung keinen Anlass gab. Offensichtlich hatte Solvey nur Rot gesehen und sich wohl ertappt gefühlt, aber nicht wirklich etwas verstanden.

Noch vor geraumer Zeit hätte Bianca Bluthochdruck bekommen oder wäre in ein tiefes Loch gefallen, bei so einem, mit Ungezogenheiten gespickten Brief. Diesmal aber erzeugte er nichts von dem, außer der Feststellung: Wem ein inhaltloser Anschlag am schwarzen Brett genügt, um DEM Menschen, von dem man viel Gutes erfahren hat, einen miesen Charakterzug zu unterstellen, der hat sich selbst den Boden entzogen, auf dem einst die Verbindung stand. Genau diesen Satz schrieb Bianca als Antwort und setzte hinzu: Auf Nimmerwiedersehen.

Märchen können so schön sein, aber auch grausam oder traurig. In jedem Fall aber können Märchen etwas lehren. Aus diesem könnten die Biancas dieser Welt lernen, mehr auf ihr gesundes Bauchgefühl zu hören.

© Brigitte Schäfer

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Sonntag, 12. Juli 2015
Ich liebe Tiere
By brischitt, 18:21

Bis vor wenigen Monaten kam ich bei dieser Aussage nicht ins Grübeln.

In meinem Leben sind mir Hunde zugelaufen, weil sie im Gefolge ihrer Herrchen bei und mit mir wohnten. Während dieser Phasen war ich traurig, wenn es den Vierbeinern nicht gut ging, war entsetzt, wenn die Männer Bazi und Co. nicht liebevoll behandelten und war Fürsprecherin. Erlebte mich fassungslos, als ich erfahren musste, dass der Besitzer seinen jungen Hund erschoss, weil er für ihn keine Verwendung mehr hatte. Damals war Tierschutz noch kein Thema. Als Strolch, der Stromer, das Grundstück wieder einmal verließ, aber über Tage verschwunden blieb, fühlte ich eine Bedrücktheit und war glücklich, als er wieder vor unserer Türe stand. Auch Katzen sind in mein Leben getreten und ich durfte die Bandbreite von Freud und Leid erleben.
Ich rief die Tiere mit Namen, versorgte und sorgte mich um sie. Genoss es, wenn sie mich als Schmuseobjekt erwählten. Ansonsten durften sie Tier bleiben.

Seit geraumer Zeit jedoch erlebe ich Menschen, die ihre Tiere nicht nur versorgen, ihnen angedeihen lassen, was sie für Seele und Körper brauchen, sondern ihr Tier als menschlichen Ersatz behandeln. Das beginnt bei der Sprache. Da wird von Kind, Baby, Mutti, Mama oder Papa gesprochen. Das geht im Krankheitsfall weiter mit einem Herzschrittmacher oder künstlicher Ernährung, obwohl das Tier ein Alter erreicht hat, wo das Sterben wohl eher eine Gnade wäre. Fremde werden angegangen, wenn sie äußern, Haustiere nicht zu mögen. Der Gipfel dessen, was ich an übertriebener Tierliebe bisher allerdings erfahren habe, war eine Trauerfeier im Krematorium.

Ich kann verstehen, wenn man ein Tier verliert, dass man dann traurig ist. Mich hat der Verlust von Bazi damals auch eine Weile seelisch sehr beschäftigt. Er fehlte mir damals eine Zeit lang und wenn ich an ihn denke, bin ich immer noch betroffen. Und das ist jetzt über 40 Jahre her. Aber bei aller Liebe für die Tiere, es wäre mir nicht in den Sinn gekommen, die Trauer um das Tier mit der Trauer um einen geliebten Menschen zu verwechseln. Für mich ist da ein gewaltiger Unterschied.

Neulich hörte ich im Fernsehen eine Psychologin sagen „Übertriebene Tierliebe ist meist ein Zeichen, dass der Betreffende Probleme mit Menschen hat“. Wenn ich bedenke, dass diese übertriebene Tierliebe so ausgeprägt ist, dass sogar Gespräche ab- oder unterbrochen werden, nur um das Tier in den Mittelpunkt zu rücken, dann kann ich nicht anders, als der Psychologin zuzustimmen.

Wie sagt der Kölner: Jeder Jeck ist anders. So lange ich nicht mit der Vermenschlichung konfrontiert werde, soll jeder seine Weise leben. Das Grübeln habe ich wieder eingestellt, weil ich sicher bin, dass meine Verbindung zum Tier gesund ist.

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Montag, 27. April 2015
„Wehret den Anfängen – das hatten wir schon einmal“
By brischitt, 13:34

Ich muss schmunzeln, man möge es mir verzeihen.. Aber ich erlebe einige Unentwegte, die kritisieren, monieren, pöbeln, je nach Charakter, gegen jene, die sich die Freiheit nehmen, ihren Wissensdurst auf allen Ebenen/Kanälen im Netz zu stillen. Dabei merken sie nicht, dass sie sich ebenso intolerant verhalten, wie es die sog. Braunen tun. Beide wirken auf mich, als ob sie größte Probleme mit der Meinungsfreiheit haben. Sie vergessen oder wissen nicht, dass in einer Demokratie andere Meinungen ausgehalten werden müssen. So schwer es auch fällt.
Wie gesagt, es entlockt mir ein Schmunzeln, denn ich bin sicher, dass ihnen nicht bewusst ist, in wessen Gesellschaft sie sich befinden.

Weniger ist mir allerdings zum Schmunzeln, bei der Beobachtung, dass einige Unentwegte die Wissensdurstigen ziemlich unverhohlen in die braune Ecke bugsieren, mit unterirdischen Ausdrücken oder dem  berüchtigten Satz „wehret den Anfängen“. Und das nur, weil sich die Wissensdurstigen keine Denkblockade auferlegen, sondern überall lesen.

Ich wüsste wirklich zu gerne von diesen Unentwegten, was, nach ihrer Vorstellung, einen Nazi ausmacht. Mir zumindest erscheint so eine Unterstellung ziemlich undifferenziert, um nicht zu sagen infam.
 
Nun kann ich nachvollziehen, dass man nie wieder in diesem Land Nazis an der Macht haben will. ICH AUCH NICHT!!!!
Nicht nachvollziehen jedoch kann ich, dass es den Unentwegten schwer fällt zu akzeptieren, wenn andere Menschen das Bedürfnis haben, sich breit gefächert zu informieren.
Was nur kann die Unetnwegten daran so ärgern, dass sie sich permanent dagegen aussprechen. Niemand zwingt sie zu etwas. Niemand greift sie an, weil sie das Bedürfnis der breitgefächerten Information offensichtlich nicht haben. Warum nur fehlt ihnen die Toleranz, anderen Menschen zuzugestehen, dass sie über den Tellerrand hinaus sehen, sich ein umfassenderes Bild machen wollen.

Bekanntlich geben Scheuklappen nun mal nicht den Blick nach links und rechts frei. Aus unserer Geschichte heraus aber sollte man auch wissen, was an den jeweiligen Rändern gedacht wird.
Ich habe allerdings wohltuend zur Kenntnis genommen, dass die Interessierten tolerant sind, die Scheuklappen der Anderen nur beklagen, wenn man ihren Wissensdurst verteufelt.
Und nochmals frage ich mich, was nur kann die Unentwegten dazu bewegen, die Interessierten ständig zu provozieren. Ist es vielleicht der Spiegel, in den sie nicht sehen wollen oder die pure Lust am Streit?
 
Es bleibt jedem unbenommen, für sich Wertungsmerkmale für Blogs zu vergeben, um zu entscheiden, ob man dort liest oder nicht. Das Impressum ist gesetzlich vorgeschrieben und sollte daher vorhanden sein. Was aber, wenn ich auf einem Blog ohne Impressum gerade Gedanken finde, die mir nachvollziehbar erscheinen? Die mich in meinen Zweifeln bestärken. Soll ich wirklich, nur, weil die DIE ZEIT – DIE WELT – FAZ – etc. – oder das öffentlich-rechtliche FERNSEHEN bekannte Medien sind, deren Informationen widerspruchslos lesen oder hören und deren Sichtweise annehmen – ohne weiter darüber nachzudenken?

Was für eine Einschränkung!!!!

Wenn ich die Streitlust ausschließe, dann kann diese Aggression doch nur dem Zwecke dienen, die Meinungsfreiheit mit dem ewigen Gemotze versuchen einzuschränken. Dann allerdings sage ICH
„Wehret den Anfängen. Das hatten wir schon mal“.
 
Mich hat neulich die Nachricht sehr irritiert, dass 700 Flüchtlinge ertrunken seien – mit dem Zusatz, sie wären, als sie den portugiesischen Frachter sahen, alle auf eine Seite gegangen. Dadurch sei das Schiff gekentert.
Nun verstehe ich von Schiffen überhaupt nichts, aber mein gesunder Menschenverstand sagte mir, ein Schiff, auf das 700 Flüchtlinge passen, am Ende sollen es sogar 900 gewesen sein, ist so stabil, dass es nicht kentert, nur weil die Passagiere alle auf einer Seite stehen.
Zudem wurde uns bei dieser Aussage ein großes Schlauchboot gezeigt, welches gerade kenterte. Es wurde also suggeriert, dass es sich um so ein Schiff handeln würde.
Warum auch immer diese Information auf diese Weise verbreitet wurde, für mich war sie nicht glaubhaft. Nach der Lesart der Unentwegten müsste ich glauben, was mir vorgesetzt wurde? Müsste meine Zweifel unterdrücken.
 
Sorry, der Herrgott, oder wer auch immer, hat mir ein Hirn zum selbst Denken gegeben. Und wenn mir Zweifel an dem kommen, was die sog. offiziellen Medien uns auftischen, dann sehe ich es sogar als meine Pflicht an, mal genau hinzusehen. Und siehe da, es gibt noch mehr Menschen, die diese Nachricht anzweifeln. Dummerweise hat so manch einer seine Zweifel auf dem eigenen Blog oder auf einer Plattform niedergeschrieben, die die Unentwegten als unseriös oder noch Schlimmeres halten. Damit hieße das also Leseverbot. Ich wiederhole mich:

Was für eine Einschränkung!!!!

Ich hoffe, mir wird wenigstens erlaubt, zu staunen.
 
Sich selbst eine Denkblockade aufzuerlegen, nur seine eigene Meinung als die ausschließlich richtige Denke zu postulieren, halte ich für mich zumindest für nicht erstrebenswert.
Gleichzeitig frage ich mich, ob die Unentwegten so wenig Zutrauen zu ihren eigenen Fähigkeiten haben. Ich zumindest nehme für mich in Anspruch, so viel Grips zu besitzen, um Hetze einerseits und Ergebnis von Hinterfragen andererseits auseinander halten zu können. Dafür ist allerdings notwendig, dass ich mich vielfältig informiere, um die Spreu vom Weizen trennen zu können.

Mich stört keineswegs, wenn meine Mitmenschen nicht das Bedürfnis haben, sich außerhalb der sog. offiziellen Medien zu informieren. Wenn ihnen das genügt, warum nicht.
Daher würde ich mir wünsche, dass die Unentwegten ebenso tolerant wären.
Aber ich bin mir bewusst, das Leben ist kein Wunschkonzert und so muss ich mich an mein Motto erinnern: jeder Jeck ist anders.

Dennoch erlaube ich mir, daran zu erinnern:

Die Meinungsfreiheit ist kein Privileg für Einzelne, sondern gilt für ALLE.

Das sagen sich natürlich auch die Unentwegten und
kritisieren, provozieren, werden unflätig, weil sie glauben, dieser Satz würde sie dazu berechtigen.

Der feine Unterschied:
Die Wissensdurstigen stillen ihren Durst, ohne jene zu kritisieren oder zu belehren. Würden die Unentwegten dies respektieren/tolerieren, es bräuchte weder obigen Satz, noch meine Überschrift.

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Montag, 07. Juli 2014
Der Zorn lässt mich beben….
By brischitt, 19:05


… und das, obwohl es mich nicht direkt betrifft.

A. ist eingeladen. Im Kreise der übrigen Besucher ist Ballspielen angesagt. Mittelpunkt sind ein kleiner Junge des Hausherrn und sein Hund. A. stolpert dabei und fällt über den Knirps. Nichts ist weiter geschehen, beide lachen. Doch im Hintergrund nimmt A. ein aggressives Bellen wahr und noch eh sie wieder auf den Beinen sein kann, wird sie auch schon angegriffen. Erstes Ziel des spanischen Straßenköters, groß wie ein Schäferhund, ist ihr Hinterkopf. Den packt er und schüttelt ihn. Den zweiten Angriff kann sie mit Armen und Beinen abwehren, so weitere Bisse in die Schädeldecke verhindern. Der Herr des Hauses versucht mit Rufen seinem Hund Herr zu werden. Doch der ist im Rausch, hört nichts. Es braucht erst eine handfeste Maßnahme, damit der Hund ablässt. Bis das aber so weit ist, richtet er weiteren Schaden an.

Ich nehme die Verletzungen vorweg. Mehrere Stellen am Kopf mussten genäht werden. Ein kleiner Bereich ist so geschädigt, dass dort ein Haarwuchs nicht mehr möglich ist. Der Arm hat eine große Fleischwunde, heilt schlecht und zudem ist er zweimal gebrochen. Jede Menge Hämatome auf dem Oberschenkel.

Ist diese Grenzüberschreitung des Hundes alleine schon unverzeihlich, so packt mich der heilige Zorn auch deshalb, weil es ausgerechneteide A.
passiert. Sie hat nicht nur selbst einen Hund, sondern beschäftigt sich seit Jahren damit, wie man mit ihnen zu kommunizieren hat. Sie ist sehr darauf bedacht, dass ihr tierischer Mitbewohner gut erzogen ist.

Ihre anfängliche Selbstanklage, sie hätte erkennen müssen, weise ich entschieden zurück. Es kann nicht sein, dass man hundeerfahren sein muss, wenn man beim Halter dieses Hundes eingeladen ist. Es ist seine Aufgabe einzuschätzen, notfalls solche Spiele zu unterbinden oder nur mit Maulkorb.
 
Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass der Hund von seinem Bewacherinstinkt geleitet wurde. Das Geschehen ist alleine dem Halter anzulasten. Ich weiß nicht, ob er seinen Hund abgerichtet hat. Aber das ist auch nicht wichtig. Wer einen Hund hält, hat dafür zu sorgen, dass es zu keinen Grenzüberschreitungen kommt.

In früheren Jahren hieß es, ein Tier, das einen Menschen anfällt, wird es immer wieder tun. Deshalb muss man es töten. Ob diese Erkenntnis noch gültig oder überholt ist, kann ich nicht beurteilen. Auf jeden Fall hat der Halter bewiesen, dass er seinen Hund nicht kennt, ihn nicht erzogen hat. Für mein Empfinden gehört ihm das Tier weggenommen.

Bei der Beschäftigung mit diesem Ereignis musste ich dann auch noch feststellen, dass Hundeversicherungen nicht einmal in allen Bundesländern Pflicht sind, weil mal wieder Ländersache. Auch so eine idiotische Entscheidung.

Da soll man nicht wütend werden?

Würde es nach mir gehen, ich würde eine Prüfungspflicht bundesweit einführen, wie in der Schweiz. Dort darf keiner Hunde halten, der diesen Sachkundenachweis nicht erbringen kann. Ich würde sogar noch weiter gehen und diese Befähigung alle zwei Jahre wiederholen lassen.

A. war einige Tage im Krankenhaus, es wird noch lange dauern, bis die Folgen dieses Angriffs verheilt sind. Sie glaubt, dass ihre Einstellung zu Hunden unverändert ist. Aber nicht alle sind so stabil, dann kommen neben körperlichen Schäden auch noch psychische.

Das Niederschreiben hat gut getan. Mein Zorn ist verraucht, nicht aber meine Hoffnung, dass der Angriff doch noch aktenkundig wird. Weil ich glaube, dass nur dadurch der Halter erkennt, dass er sich viel mehr mit seinem Hund beschäftigen, mit ihm arbeiten, ihn erziehen muss. Fragt sich, ob das überhaupt möglich ist. Spanische Straßenköter haben lernen müssen zu überleben. Ob sie das je abstellen können? Da habe ich meine Zweifel.

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Samstag, 15. Februar 2014
Was sagen Sie dazu?
By brischitt, 19:04


Wenn ich mich und meinen Zwilling so betrachte, ich könnte weinen. Was ist nur aus uns geworden. Wir geben mittlerweile ein ziemlich armseliges Bild ab. Staat ist mit uns nicht mehr zu machen. Wir gehören schon längst aufs Abstellgleis. Aber unserer Besitzerin will sich einfach nicht von uns trennen.

Schon erstaunlich, was Dankbarkeit und Anerkennung für komische Blüten treiben können. Vernunft scheint nicht zu helfen.

Allerdings, wenn ich es so recht betrachte, komme ich nicht umhin, sie zu verstehen, unsere Besitzerin. Sie weiß halt, wie schwer die Geburt von uns war.

Angefangen hat alles mit der Zeugung. Die „Geburtshelferin“ brauchte das richtige Handwerkszeug dazu. Als das Besorgen erfolgreich war, machte sie sich über das weitere Vorgehen schlau. Immerhin war ihr Einsatz lange her. Nur gut, dass es das Internet gibt. Dort schmökerte sie und wurde fündig. Nun konnte die Geburt beginnen. Die Einleitung war ihr noch in Erinnerung und verlief auch erfolgreich. Als jedoch schwerwiegendere Entscheidungen getroffen werden mussten, hatte sie ihre liebe Mühe. Am Ende aber ging alles glatt und ich kann voll Überzeugung festhalten, wir sind ihr echt gut gelungen.

Natürlich erkenne ich, dass unsere Besitzerin an uns fest hält, weil sie damit Ehre und Respekt ausdrückt. Auf der anderen Seite kann ich nicht länger mit ansehen, wie erbärmlich unser Erscheinungsbild ist und vor allem, was für einen schlechten Eindruck sie hinterlässt, sollte sie jemand sehen.

Hat nicht alles seine Zeit? Ich denke ja.
Was meinen Sie dazu?

Sie sollten noch wissen, weitere Geburten haben stattgefunden. Nachfolger warten bereits voll Ungeduld auf ihren Einsatz.

 


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Dienstag, 11. Februar 2014
In einem anderen Licht betrachtet
By brischitt, 11:09



Wenn Menschen sich falsch verhalten, ist es leicht, auf sie auch noch einzuprügeln.
Natürlich habe auch ich eine Meinung zu Alice Schwarzer und Co. Es ist aber doch der Ton, der die Musik macht.

Die Genannte hat über Jahrzehnte den Finger in die Wunde gelegt, die Männer schlecht aussehen lassen, der Gesellschaft aufgezeigt, dass zwischen Mann und Frau eine Menge schief läuft und dabei fand sie nach meinem Verständnis nicht immer den richtigen Ton. Besonders beim Kachelmannprozess hat sie mit Häme und nicht bewiesenen Behauptungen nicht gespart. Schon von daher darf sich Frau Schwarzer nicht wundern, dass die Gesellschaft nun, bei Bekanntwerden ihres Steuerbetrugs, mit dem Finger auf sie zeigt.
Vor allem ihr Rechtfertigungsversuch ist ziemlich missglückt. Es hätte ihr in diesem Moment ganz sicher eher Demut und Bescheidenheit angestanden, als ihr Rundumschlag. Allein das Wort Rufmord zu benutzen, ist einer Journalistin, die sehr genau wissen muss, dass Rufmord das Äußern von Unwahrheit voraus setzt, unwürdig.

Neben der legetimen Meinungsäußerung im Netz findet sich allerdings jede Menge Shitstorm. Während ich einiges davon las, mich dann aber angewidert abwandte, schoss mir die Frage durch den Kopf, wie steuerehrlich sind eigentlich jene, die Jauche benutzen?

Sie sprechen u.a. von Moral und vergessen dabei, sich selbst zu hinterfragen.

Wie viele sind wohl darunter, die selbst Steuern hinterzogen haben oder aktuell hinterziehen?
Denke man doch nur an Empfänger von Arbeitslosengeld I und II, die kein Problem sehen, schwarz zu arbeiten.
Oder an jene, die Haushaltshilfen oder Handwerker an der Steuer vorbei beschäftigen.
Und wie ist das mit den Firmeninhabern oder Managern, die ihre firmeneigenen Mitarbeiter privat beschäftigen, ohne einen geldwerten Vorteil anzugeben? Nur einige Beispiele.
Vermutlich weiß jeder von ihnen, dass sie Steuern hinterziehen. Wenn man aber im Glashaus sitzt, warum wirft man dann mit Steinen?

Woher kommt eigentlich das massive nach dem Staat rufen, von ihm mehr und mehr die Erfüllung von Aufgaben verlangen?
Kann es sein, dass Eigenverantwortung mit der Zeit ein Fremdwort geworden ist? Wie passt dieser Ruf einerseits und die gleichzeitige Nichtbereitschaft von vielen Einzelnen, Steuern zahlen zu wollen, andererseits, zusammen? Was für eine Vorstellung haben denn jene, die den Staat laufend in die Pflicht nehmen, woher das Geld kommen soll, wenn nicht von den Bürgern selbst?

Es wird so häufig den Reichen Gier vorgeworfen. Ganz sicher ist das auch teilweise berechtigt. Aber auch da gilt der Spruch mit dem Glashaus.
Natürlich ist es für einen Menschen, der mit seinem Geld gerade so um die Runden kommt, hilfreich, wenn er sich neben zu noch ein paar Cent verdienen kann. Sicherlich ist es schmerzhaft, wenn von dem Wenigen, was er sich dazu erarbeitet, ein Teil nicht in die eigene Tasche fließt. Aber auch dieser Mensch stellt seine Anforderungen an den Staat. Und so ist auch er gefordert, sein Scherflein dazu beizutragen.

Mir will scheinen, dass sich kaum jemand erinnert, dass der Staat nicht irgendjemand ist, sondern WIR, die Bürger. In dem der Einzelne seine Steuerpflicht nicht erfüllt, betrügt er sein Familienmitglied, seinen Nachbarn, seinen Freund, die Kollegen, wenn der Hüter der Staatsfinanzen, mangels Masse, Forderungen nicht erfüllen kann.

Ich will nicht, wie in Skandinavien, gläsern sein. Muss aber erkennen, offensichtlich hilft nur die Offenlegung aller Daten, um sicher zu stellen, dass sich auch jeder am Gemeinwohl beteiligt. Diese Offenlegung erfolgt allerdings nicht durch die Person selbst, sondern durch die div. Banken und Behörden.
Wollen wir das wirklich?

Die Steuerhinterziehung so mancher Prominenter kann ich nicht gut heißen, dennoch fand ich es richtig, das Thema in einem anderen Licht zu betrachten. Und so komme ich zu dem Ergebnis:
würde nur der noch seine Meinung äußern dürfen, der immer steuerE H R L I C H  war, ich glaube, in Deutschland würde nur noch geflüstert.




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Samstag, 01. Februar 2014
Wanderschaft meiner Gedanken
By brischitt, 10:07

Eigentlich ging mir die Frage durch den Kopf, was hinter dem Spruch „Jeder ist das Produkt seiner Erziehung“ steckt. Noch eigentlicher aber ist er mir eingefallen, weil ich an Menschen denken musste, die einen ähnlichen Lebensweg haben und doch so unterschiedlich mit den Folgen ihrer Vergangenheit umgingen. Diese Überlegung wiederum führte mich mit einem Geistesblitz zu einer Episode aus meinem eigenen Rückspiegel.

Damals saß ich in einem Wartezimmer, kam mit einem Patienten ins Gespräch. Als er mitteilte, er habe beruflich etwas mit Psyche zu tun, ich machte mir nicht einmal die Mühe, zu erfahren, welche Richtung, sagte ich: „was bin ich froh, dass ich mit dem ganzen Psychokram nichts zu tun habe.“ Da ich aufgerufen wurde, hatte der arme Kerl nicht einmal die Möglichkeit, meine Aussage zu hinterfragen.
40 Jahre später würde ich mich nicht nur mit diesem Mann unterhalten, noch mehr würde ich mich für meine schnoddrigen, vorwitzigen Worte gerne entschuldigen wollen.
Mit meinem heutigen Wissen und der Altersweisheit würde ich selbstkritisch feststellen, typisch, keine Ahnung, aber mitreden. Selbst die Erklärung, im Süden Deutschlands wurde zum Zeitpunkt meiner Kinder- und Jugendzeit jeder als bekloppt bezeichnet, der sich in eine Psychiatrie oder Psychosomatische Klinik begab, empfinde ich nicht als Entlastung, obwohl sie natürlich eine ist. Denn wenn man nur von Irrenanstalt oder auch Klappse hört, kommt man kaum auf die Idee, dass hier ein großer Irrtum vorliegt.

Da ist es schon gut, dass sich mit den Jahren doch einiges geändert hat. Vieles, was von Amerika rüberkam, fand und findet nicht immer meine Zustimmung. Das Aufsuchen eines Seelenarztes aber sehe ich heute als ebenso selbstverständlich an, wie den Besuch beim Zahn- oder Augenarzt. Diese Selbstverständlichkeit haben wir aber den Amerikanern zu verdanken. Anfänglich hatten wir nur ein müdes Lächeln übrig, wenn wir hörten, deren Prominente legen sich auf die Couch eines Psychiaters. Doch mit der Zeit wurde der Besuch bei einem Psychotherapeuten auch bei uns eher normal, als ungewöhnlich.
Ich schließe allerdings nicht aus, dass meine Erfahrung mit dem Bundesland zu tun hat, in dem ich geboren wurde.

Was für Umleitungen Gedanken doch nehmen können. Umso erstaunlicher, dass sie doch immer wieder zum Ursprung finden, in meinem Fall zu den beiden Frauen, die eine so ähnliche Vita haben und sich doch so unterschiedlich entwickelten.

Ich nenne die eine Schneeweißchen und folgerichtig die andere Rosenrot. Ok, ich könnte sie auch Pech- und Goldmarie nennen. Aber werten liegt mir fern.

Beide Mädchen sind in einer Pflegefamilie groß geworden, haben dort Versorgung erlebt, nicht mehr. Es wurde alles getan, damit der äußere Schein gewahrt wurde, aber die Innenansicht war seelische Verkümmerung.
Beide gingen außer Haus, fanden Partner, bekamen Kinder.

Schneeweißchen hat die Erfahrung, die sie mit ihren Pflegeeltern erlebt hat, ohne Wenn und Aber an ihre Kinder weitergegeben. Nicht unter dem eher bösartigen Aspekt, sie sollen es auch so schlecht haben, wie sie selbst. Zu dieser Denke ist sie nicht fähig. Sie kommt einfach nicht auf die Idee, ihr eigenes Verhalten zu hinterfragen, zur Kenntnis zu nehmen, dass ihre Kinder unglücklich sind und sie daran ihren Anteil haben könnte. Sie war nicht einmal erschüttert, als ihre Kinder äußerten, dass sie die Familie so bald als möglich verlassen werden.

Rosenrot dagegen merkte früh, dass die Aggression ihrer Kinder etwas mit ihr zu tun haben muss. Sie spürte, ohne, dass sie es erklären konnte, dass sie etwas falsch macht. Nur was, war ihr nicht klar. Sie schaltete einen Psychologen ein. Sehr schnell erkannte er im Gespräch mit den Kleinen, wo die Ursachen liegen. Rosenrot wurde zum Gespräch gebeten und es dauerte nicht lange, bis klar wurde, dass sie dringend ihre Defizite aus der Kindheit ansehen muss.

Rosenrot wusste zwar von psychologischen Therapien, für sich hätte sie diese jedoch immer ausgeschlossen. Sie wollte nicht an alten Wunden rühren, nicht noch einmal spüren müssen, wie schmerzhaft ihre Kindheit war, wie wenig sich die „Alten“ für sie interessierten, wie ungerecht sie von ihnen behandelt wurde. Nun aber ging es um ihre Kinder. Sie sollten nicht darunter leiden, dass sie mit ihrer Vergangenheit nicht fertig war. Sie glaubte zwar, sie hätte das alles hinter sich gelassen, wäre erwachsen und würde ihr Leben meistern. Aber sie musste erkennen, sie hatte ihre Vergangenheit ausgeblendet, weggeschoben, aus ihrem Leben verband, nicht aber das Leid ihrer Kinderseele aufgearbeitet.

Schon in den ersten Stunden ihrer Therapie wurde klar, dass sie, obwohl sie dies nie wollte, sehr viel von dem übernommen hatte, was sie von ihren Pflegeeltern vorgelebt bekam.

Die Zeit beim Therapeuten war für Rosenrot nicht leicht. Die Emotionen, die in ihrer Kindheit niemand wissen wollte, wurden zu Tage gefördert. Wut, Entsetzen, Trauer, Verachtung bahnten sich ihren Weg. Tränen flossen satt. Mit der Verarbeitung ihrer Vergangenheit aber konnte sie erkennen, bei welchen Anlässen sie ihre Verluste auf ihre Kinder übertragen hatte.

Sie lernte, dass der Mensch durch Schlüsselworte, -erlebnisse in seine eigene Kindheit geführt wird. Das ist nichts Besonderes. Entscheidend ist, ob diese Erfahrungen verarbeitet wurden. Handelt es sich um ein erledigtes Feld, wird das sog. innere Kind nicht mehr angesprochen. So kann der Mensch als Erwachsener eine Situation erleben/klären. Wo aber altes Leid, Schmerz, Trauer, Wut keinen Ausdruck als Kind haben durfte, bleiben diese Zustände auf der kindlichen Ebene und finden u.U. dann ihren Ausbruch, wenn die eigenen Kinder an wunden Punkten unbewusst rühren. Zumindest bei Rosenrot war genau dies geschehen.

Nach und nach fand sie andere Möglichkeiten, auf ihre Kinder zu reagieren, als diese es bisher gewohnt waren. Dadurch fühlten sie sich ernst genommen, lernten, was Vertrauen und Nestwärme heißt. Die Aggressionen bauten sich mehr und mehr ab.

Wenn ich nun zurück komme auf den Spruch, „jeder ist das Produkt seiner Erziehung“, so zeigen diese Beispiele sehr deutlich, jeder kann nur das auch weitergeben, was er von seiner Ursprungsfamilie mitbekommen hat. Dass man diesen Teufelskreis, wenn er denn einer ist, durchbrechen kann, zeigt das Beispiel Rosenrot. Gleichzeitig zeigt es aber auch, nur wenn man die eigenen Defizite fähig ist zu erkennen, sie anschauen und bearbeiten will, kann sich etwas ändern.
Schneeweißchen hat nicht die Intelligenz mitbekommen, um selbst zu erkennen, dass die Aussage ihrer Kinder, die Familie so bald als möglich verlassen zu wollen, wichtige Signale sind. Mit dieser Erkenntnis ist leider auch verknüpft, dass es für ihre Kinder keine Chancengleichheit geben wird.
Rosenrot dagegen hat mit ihrem Weg ihren Kindern die Möglichkeit eröffnet, sich gut entwickeln zu können. Sie werden nicht die Altlast ihrer Mutter weitertragen.

Es ist schon erstaunlich, was meine Gehirnwindungen so alles produzieren. Die Gedankensprünge faszinieren mich ganz besonders.

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Samstag, 11. Januar 2014
Das Leben geht seltsame Wege...
By brischitt, 17:53



… denkt sie.
Eigentlich hatte sie sich doch nichts weiter gewünscht, als Kontakt zu Hundebesitzern zu bekommen. Stattdessen?...........................

Ihr Leben ist bunt und arbeitsreich. Eingebettet in eine große Familie, umrahmt von einem Bekannten- und Freundeskreis, kann sie sich über Vielfalt nicht beklagen. Auch an Ausgleich fehlt es ihr nicht.
Mit ihrem Jagdhund zieht es sie in Wald und Flur. Eine Leine braucht es dabei nicht, dafür sehr viel Aufmerksamkeit, um rechtzeitig zu erkennen, was ihr Begleiter vorhat. Da sie aber über Jahre Übung im Kommunizieren mit ihrem tierischen Freund hat, sind die Ausflüge überwiegend eine Bereicherung.

Sollte sie ihren Wunsch ad acta legen? Erstaunlicherweise fand sie weder in der Hundeschule, noch im Hundeverein adäquate Gesprächspartner. Sie beschloss noch einen Versuch in einem sozialen Netzwerk zu wagen.

Schnell verschaffte sie sich einen Überblick über das Angebot des Forums und blieb bei der Artikelrubrik hängen. Außer Aufsätzen in der Schule, hatte sie bisher noch nie etwas zu Papier gebracht. Nun aber fühlte sie sich motiviert, von ihren täglichen Ausflügen in die Natur zu berichten. Durch ihre Beobachtungsgabe war sie in der Lage, auf sehr lebendige Weise ihre Erlebnisse zu schildern.
Unter den Artikeln ist vorgesehen, dass die übrigen User kommentieren können. Das geschah auch unter ihrem. Dass sie aber in ihrem Postfach zu ihrer Erzählung eine Nachricht vorfand, erstaunte sie. Noch mehr allerdings, was sie las. Weder die Art ihrer Schreibe, noch das geschilderte Naturerlebnis waren Gegenstand. Die Absenderin zeigte ihr vielmehr auf, welche negativen Erfahrungen sie in Foren gemacht hat und dass es klug sei, nicht viel von sich Preis zu geben, am wenigstens viel von der eigenen Seele.
Da sie selbst bereits erkannt hatte, dass die Streitlust auf der Plattform unangenehme Formen aufwies, erkannte sie die Richtigkeit der Aussage, empfand die Zeilen daher nicht als Einmischung. Ein Austausch begann. Anfänglich ging es um die Community, bald aber um private Informationen.

Die Gesprächspartnerin hatte keinen Hund und doch zeigte sie sich interessiert. Bei ihr war überhaupt auffallend, dass sie Themen nicht ignorierte, sondern Rückmeldung gab. Eine ganz neue Erfahrung war das für die Hundebesitzerin. Sie fühlte sich ernst genommen, angenommen.

Annas Tagesablauf ist stramm. Beruf, Haushalt, Familie und ihre täglichen Spaziergänge kann sie nur unter einen Hut bringen, weil sie eine gute Einteilung hat. Die bisher eingeplante Freizeit, wird nun in Teilen von ihrer Kommunikation mit Barbara aufgefressen. Aber das ist es ihr wert.

Eigentlich hatte sie schon seit Jahren das Bedürfnis, über Ihr Tun und die Ereignisse Buch zu führen. Wann immer sie sich aber vornahm, damit zu beginnen, nagte sie am Schreibgerät, weil sie nicht wusste, wie und was sie schreiben sollte. Irgendetwas hinderte sie. Ganz anders, seit sie Barbara als Gegenüber hat. Anna schreibt sich alles von der Seele, erzählt, wenn sie Ärger empfindet, drückt Freude aus.

Das Leben nimmt tatsächlich seltsame Wege, um zum Ziel zu gelangen. Anna wird bewusst, ihr Bedürfnis, über Hundeerfahrung zu sprechen, war zwar vorhanden, aber wohl doch nur vordergründig. Offensichtlich sollte ihr Wunsch sie zu ihrem Tagebuch, welches Barbara heißt, führen. Ein ganz besonderes Tagebuch, denn es gibt Antwort. Es ist eines, das Annas Gedanken aufgreift, ein Tagebuch, das eigene Erfahrungen schildert, dadurch manchmal neue Sichtweisen bietet. Im Tagebuch finden sich keine hoch philosophischen Abhandlungen, es ist eher der Alltag, der sich wiederspiegelt. Und so kann Anna zum Jahreswechsel rückblickend noch einmal durch ihre eigenen 365 Tage wandern.

Keine Minute bedauert sie, ihrem Tagebuch begegnet zu sein. Sie empfindet Glück und das will sie unbedingt teilen.

Barbara staunt nicht schlecht, als es an der Wohnungstüre klingelt. Der Absender: „Die Tagebuchschreiberin“

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Donnerstag, 02. Januar 2014
"Er war kein Heiliger.....
By brischitt, 22:26


„...., wie er dargestellt wurde“ vernahm ich vom Ende der Telefonleitung.
Hatte ich so etwas behauptet, fragte ich mich. Nein, hatte ich nicht. Wohl bin ich der Ansicht, man muss schon sehr viel Stärke besitzen, 27 Jahre im Gefängnis zu sein, alle Grausamkeiten dieses Ortes erlebt zu haben und dann nicht nur als nicht gebrochener Mensch rauszukommen, sondern fähig zu sein, mit friedlichen Mitteln im Land so viel zu verändern, dass es möglich werden kann, selbst sogar Präsident zu werden. Das äußerte ich auch. Mir wurde zwar nicht widersprochen, aber entgegnet, anlässlich seines Todes wurde er eher verherrlicht. Dass er wegen Gewalt im Gefängnis saß, wurde nur am Rande gestreift. Darüber sei man verärgert.

Hm, eine Sichtweise, die mich eher irritiert hatte. Aber wenn ich die Gedanken meiner Gesprächspartner nicht mit Gewissheit entkräften oder klügeres dagegen setzen kann, schweige ich lieber. Daher ließ ich diese Aussage so stehen. Am Ende hörte ich noch den Hinweis, auch er ist einer, der sich vom Saulus zum Paulus gewandelt hat.

Mir will dieses Gespräch nicht mehr aus dem Kopf, vielmehr führte es mich zu der Frage, was wäre, wenn es keine mutigen Menschen gäbe, keine, die gegen den Strom schwämmen, keine, die den Ungehorsam vorzögen, um nicht dem Unsinn, der Ungerechtigkeit gehorchen zu müssen.
Ins Gefängnis kommt man in gewissen Ländern äußerst schnell. Da braucht es nicht viel. Selbst Mahatma Gandhi, den man weltweit bis heute verehrt, landete in Südafrika für acht Jahre dort. Und nur, weil er sich öffentlich gegen die Apartheid ausgesprochen hatte. Dabei war er dafür bekannt, seinen Protest nur mit gewaltfreiem Widerstand, zivilem Ungehorsam und Hungerstreik zu führen.

Wenn ich mich solch schwerwiegender Thematik nähere, stelle ich zumeist die schlichte Frage, wie es mir gehen würde. Was wäre, wenn ich wegen einer Eigenschaft nicht nur von einem Einzelnen, sondern von einem Staat angefeindet und zum Menschen dritter Klasse degradiert würde. Ich stelle mir vor, nur, weil mir ein Arm fehlte, dürfte ich mit sog. Gesunden nicht in einer Bahn fahren, nur in mir zugewiesenen Gegenden wohnen, keine weiterführenden Schulen besuchen, nicht mit Gesunden an einem Arbeitsplatz sein. Die Liste könnte endlos fortgeführt werden.
Mir wird bereits bei der Vorstellung schon ganz anders. Wie würde ich mich erst fühlen, wenn ich das als Realität erleben müsste? Was würde ICH tun? Was könnte ich tun? Hätte ich als junger Mensch den Mut gehabt, mich gegen einen Staat zu stellen. Strafen, Schläge, Freiheitsentzug oder sogar den Verlust meines Lebens zu riskieren? Diese Frage kann ich nicht beantworten, weil es vermutlich den Leidensdruck braucht, um sich zu bewegen. Aber mir zeigt die Frage, wenn sich was verändern soll, braucht es Menschen, die von dem Gedanken beherrscht werden, gegen Unrecht kämpfen zu wollen und koste es das eigene Leben.

Nun sind sicherlich Whistleblower nicht wirklich mit Ghandi und Mandela zu vergleichen. Aber auch sie sind von ihrer Überzeugung so besessen, die Wahrheit ans Licht zu bringen, dass sie uneigennützig, ohne dabei zu berücksichtigen, was mit ihnen letztlich geschehen wird, ihr Wissen preisgeben. Ich bin sicher, es ist nur eine Frage der Zeit, wann Assange und Snowden, die derzeit bekanntesten Whistleblower, in Amerika der Prozess gemacht wird. Es wird für sie kein Spaziergang werden, so viel ist sicher. Aber gäbe es sie nicht, würde so manches nicht aufgedeckt werden, was aufgedeckt gehörte/gehört. Sie sind es, die HEUTE den gewählten Regierenden den Spiegel vorhalten. Auch, wenn ihnen das so gar nicht gefällt. Besonders sichtbar wurde das vor nicht all zu langer Zeit in Deutschland. Solange nur das Volk abgehört wurde, interessierte das keineswegs. Die Reaktion in Berlin war eher gleich Null, man könnte es auch schelmisch als Protestle bezeichnen. Zur Beruhigung des Volkes wurde Friedrich nach Amerika geschickt, um anschließend den Kanzleramtschef Pofalla verkünden zu lassen, die Angelegenheit sei vom Tisch. Wie groß war jedoch die Aufregung, als die, ach so ahnungslose, Bundeskanzlerin erfuhr, dass sie abgehört wird. Auf einmal war es ein Abhörskandal, der Botschafter der USA wurde einbestellt und Gespräche zwischen Merkel und Obama liefen. Da konnte man sich doch nur noch die Augen reiben. Wir leben in einer Demokratie und doch wird selbst hier deutlich, wie wenig Interesse die Regierenden an jenen zeigen, die sie gewählt haben. Wen will es da wundern, dass in anderen Regierungsformen die Ungerechtigkeiten noch um vieles größer sind.

Aber zurück zu Nelson Mandela, denn um ihn ging es in dem Telefonat, wie sicherlich auch ohne meine Erklärung dem Leser schon klar war.
Ich machte mich also schlau, las nach und komme zu einem ganz anderen Ergebnis, als was ich am Telefon vernommen hatte. Nicht, dass die Aussage falsch gewesen wäre. Aber bekanntlich hat jede Medaille zwei Seiten.

Anfänglich war der Widerstand von Mandela ebenso wie bei Gandhi gewaltfrei. Nur, was tun, wenn eine Regierung mit Waffengewalt gegen unbewaffnete Protestierer ein Massaker anrichtet? Nein, ich bin wahrlich nicht für Gewalt. Aber ich kann verstehen, dass junge Menschen sich nach solch schlimmen Erlebnissen zusammenschließen, um offiziell dem Staat den Kampf anzusagen. Mandela soll als Begründung für die Gründung des ANC (Schwert der Nation) geäußert haben. «Wir kamen zum Schluss, dass Gewalt in unserem Land unumgänglich war. Es wäre unrealistisch und falsch, wenn die afrikanischen Führer weiterhin Frieden und Gewaltlosigkeit predigen würden, während unsere Regierung den friedlichen Protesten mit Gewalt begegnet.»

Wenn ich in meinem Land über etwas wütend bin, dann darf ich es aussprechen, schriftlich formulieren, mich bei meiner Regierungschefin notfalls sogar beschweren. Außer, dass mein Brief ignoriert wird, wird mir kein Haar gekrümmt werden. Da ist es doch leicht, mit der Unzufriedenheit umzugehen. Das aber ist nicht im Entferntesten vergleichbar mit dem, worüber die Schwarzen in Südafrika zu recht wütend waren und mit welchen Ungeheuerlichkeiten sie Tag für Tag konfrontiert wurden.

Nun ist es natürlich rückblickend leichter etwas zu beurteilen, zumal, wenn es ein gutes Ende genommen hat. Ob ich seinerzeit von diesen Gewalttaten wirklich etwas gehört habe, ziehe ich eher in Zweifel. Immerhin reden wir vom Jahr 1960 und folgend. Aber wenn doch, wäre ich sicherlich per se entsetzt gewesen. Mit meinen 13 Lenzen hätte ich nur die Gewalt gesehen. Hinterfragen war damals noch nicht das Meine.
Heute kann ich aber sagen, ich habe sicher kein Verständnis für Gewalt, nur um einen Gottesstaat installieren zu können, egal, wie diese Religion heißt. Daher werde ich auch die Kreuzzüge niemals verstehen, obwohl das nun schon über 900 Jahre her ist. Wenn aber die Mehrheit eines Volkes unter der Minderheit massiv leidet, habe ich zumindest Verständnis für Gewalt, auch wenn ich sie nicht gutheißen kann und will.

Umso mehr aber komme ich zu der Erkenntnis, dass es anlässlich des Todes von Mandela für mich nicht bedeutsam ist, dass er tatsächlich einst im Gefängnis saß, weil er den ANC gegründet und für Gewalt verantwortlich gezeichnet hat. Ja, das ist ein Teil seines Lebens, zu dem er auch immer stand. Aber ist nicht der zweite Teil viel bedeutsamer?

Der Ausspruch, da wurde wieder einer vom Saulus zum Paulus, wird grundsätzlich eher herablassend gemeint, so als ob es eine Schande wäre, sich zu korrigieren. Aber ist es wirklich eine Schande? Ich finde nicht. Egal ob im Kleinen oder Großen. Wenn ein Mensch über sein Leben, über sein Tun, über das, was er erreichen will, nachdenkt und zu einem anderen Schluss kommt, als zu einem früheren Zeitpunkt, dann kann das weder falsch noch eine Schande sein, zumal, wenn die neue Sichtweise mit friedlichen Gedanken verbunden ist.

Besonders im Fall Mandela ist es keine Schande, sondern aus meiner Sicht ein Segen.
Es gibt nicht viele Menschen, die die Größe haben, ihren Peinigern die Hand zum Frieden zu reichen. Es gibt wohl nur ganz wenig Menschen, die eine solche Strahl- und Überzeugungskraft haben, überzeugte Gegner zumindest zur gegenseitigen Akzeptanz zu bewegen. Mandela hatte all das und schaffte es, die Apartheid abzuschaffen. Südafrika ist noch lange nicht da, wo Mandela es gerne gesehen hätte. Aber auch er wusste, alles braucht seine Zeit. Er hatte sich zum Ziel gesetzt, aus Schwarzen und Weißen ein Volk zu machen. Das ist ihm gelungen.

War Mandela wirklich je Saulus? Wenn ich mir genau ansehe, warum und wofür Mandela seinen Weg gegangen ist, dann bin ich der Überzeugung, er war schon immer ein Paulus, vielleicht eine kurze Zeit im notwendigen Saulusgewand.

Er sagte von sich selbst: «Ich bin kein Heiliger. Es sei denn, man definiert einen Heiligen als Sünder, der immer weiter versucht, sich zu bessern.»

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Donnerstag, 26. Dezember 2013
Querbeetgedanken
By brischitt, 11:16



In der Adventszeit ist es seit einigen Jahren guter Brauch, dass „Die Höhner“ zum Mitmachkonzert in eine Kölner Kirche einladen. Wer mit Blockflöte, Querflöte, Mundharmonika, Akkordeon oder anderen Instrumenten dabei sein möchte, kann sich anmelden. Ein Plan zeigt an, wo Streicher, Blechbläser etc. sitzen werden, Und wer kein Instrument spielen kann oder will, kann sich als Sänger melden. Jung und Alt sind willkommen.

Nun ist es undenkbar, dass ohne Vorbereitung aus dieser Vielstimmigkeit und Vielfalt was werden kann. Also braucht es eine gemeinsame Sprache, etwas Aufgezeichnetes, wonach sich alle richten müssen. Übers Internet können sich die Interessierten die gemeinsame Musiksprache, die man Noten nennt, besorgen und haben zwei Wochen Zeit, um zu üben.
Für mich ist diese Sendung in jedem Jahr „Pflichtprogramm“.

Am 15. Dezember war es wieder so weit.
Mein Herz ging auf, als ich die leuchteten Kinderaugen sah, die Begeisterung, mit der musiziert wurde. Obwohl die unterschiedlichsten Menschen zusammen trafen, das Interesse an Musik hatte sie vereinigt.
Die Kirche war nicht nur gut besetzt, sondern brechend voll, das Konzert wochenlang vorher ausgebucht.
Mir waren die Texte und Töne aus Kindertagen noch vertraut, sodass ich mitschmettern konnte und fühlte mich als Teil des Ganzen.
Ein Gemeinschaftserlebnis, so empfinde ich, das sich kein Kind, kein Erwachsener entgehen lassen sollte, wenn er gerne musiziert.

Während ich mein Glücksempfinden formuliere, kommen mir Bilder aus meinen Kindertagen hoch. Eine Kindheit, die von Armut geprägt war. Doch mir wird bewusst, es war eine finanzielle Armut, aber keinesfalls eine seelische. Schon sehr früh lehrte mich meine Mutter Kinder-, Volks- und Weihnachtslieder, als meine Entwicklung es erlaubte, auch Noten lesen und Blockflöte spielen. Überhaupt, so wird mir deutlich, hat meine Mutter dafür gesorgt, dass ich, trotz Armut, die Bandbreite von Möglichkeiten, außerhalb der Schule, erfahren durfte. So nutzte sie die Gelegenheiten, wenn ihr kostenlose Angebote für Oper, Operette, Schauspiel begegneten, dass ich in diese Welt eintauchen konnte. Auch sorgte sie dafür, dass ich wissen sollte, was Museen sind, welche Themenvielfalt es gibt. Kurzum, sie eröffnete mir Chancen. Nicht an allem war ich gleichermaßen interessiert.

Müsste ich mit wenigen Worten einen Nachruf auf meine Mutter machen, so würde ich ihr danken, dass sie, trotz Armut dafür gesorgt hat, dass mein Gemüt Nahrung bekam und niemals verkümmerte.

Mein Rückblick bringt meine Gedanken zu einem weiteren Punkt. Sie beschäftigen sich mit der Frage, ob es Chancengleichheit wirklich geben kann? Sofort bin ich in unterschiedlichsten Ebenen und erkenne, dass die Antwort darauf vielfältig ist. Sicherlich kommt es auf die Begabung eines Kindes an, was es an Wissen aufnehmen kann. Auch keine Frage ist, dass Geld durchaus eine Rolle spielt, welchen Weg ein Kind nehmen kann. Aber mit einer Sichtweise liege ich sicherlich keineswegs falsch und die beginnt mit der Frage, Wer ist für die Chancen der Kinder zuständig?

Natürlich kann die Antwort nur lauten, die Erwachsenen. Was aber, wenn Eltern selbst wenig mitbekommen haben. Beim Grundlegenden fängt es an, wie Respekt und Höflichkeitsformen und setzt sich fort bei allem, was es außerhalb von Schule gibt. Wenn Eltern nicht wissen, dass es in der Gesellschaft Regeln gibt, wie sollen sie diese dann weitergeben? Da zumindest kann es keine Chancengleichheit geben.

Heute werden von Seiten der Schulen sog. Arbeitsgemeinschaften angeboten, sodass Kinder auch dort schnuppern können, ob ihnen Malen, Musik, Theater, Schach liegen. Aber letztlich braucht es immer die Zustimmung/Unterstützung der Erziehungsberechtigten. Was aber, wenn diese nicht erkennen, dass das Chancen sind, die ihren Kindern geboten werden, noch schlimmer, wenn sie die Angebote bewusst verhindern, nach dem Motto, ist nicht nötig. Dann bleibt vieles auf der Strecke, was Kinder kennenlernen könnten.
Kinder kann man zu nichts zwingen, soll man auch nicht. Aber man kann Kinder motivieren, für einen kurzen Zeitraum sich mit etwas zu beschäftigen, was ihnen fremd ist. Wenn Erwachsene aber das Fremde selbst nicht mögen, es ablehnen, das auch noch den Kindern zeigen, ist es kein Wunder, dass sich diese dagegen aussprechen. Ich denke, um die Angebote in voller Bandbreite zu erfahren, sollten sich Erwachsene eher zurückhalten mit ihren Empfindungen. Nur auf diese Weise haben Kinder die Chance selbst zu erkennen, was ihnen Freude macht.

Kann es wirklich Chancengleichheit geben? Wenn Kinder in Elternhäuser geboren wurden, die selbst mit Bildung/Herzensbildung nicht in Verbindung kamen, wird man die Frage wohl bedauerlicherweise mit nein beantworten müssen.

Chancengleichheit kann es überhaupt nur dann geben, wenn diejenigen, die für Kinder Sorge tragen, ihnen wenigstens die Chancen lassen, die ihnen geboten werden. Nicht jeder Vater, nicht jede Mutter interessiert sich für Musik, kann ein Instrument spielen, hat Lust mit den Kindern durch Museen zu gehen, hat am Schauspiel Freude, um nur einige Beispiele zu nennen. Wenn Kinder aber das Glück haben Erziehungsberechtigte zu haben, die wenigstens erkennen, sie sollten Interesse unterstützen oder neue Wissensfelder nicht verhindern, ist schon viel gewonnen.

Bei aller Negativerfahrung, die wohl keinem Menschen erspart bleibt, so kann ich von Glück sagen, dass mir die Chance eröffnet wurde, mit Musik groß geworden zu sein. Sie hat mir manch tiefes Empfinden beschert und mich in schwerer Zeit getragen.

Gedanken sind frei - selbst wenn es Querbeetgedanken sind.

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Mittwoch, 30. Oktober 2013
SO NICHT oder DOCH SO?
By brischitt, 09:53



Dass Medien einen enormen Einfluss auf die Meinungsbildung eines Volkes haben, ist bekannt. Das zeigt sich gerade wieder in diesen Tagen.

Natürlich halte ich es für richtig und wichtig, dass Medien informieren. Aber es kommt auf das Wie an. Zeitungen, wie die, mit den vier Buchstaben, stehen in erster Linie für Sensation und sind nicht wirklich daran interessiert, sachlich zu informieren. Zumindest ich empfinde das so. Erschreckend finde ich allerdings, dass sich auch, sonst seriöse, Medien an dieser, zum Teil undifferenzierten, Berichterstattung beteiligen.

Wenn ich nur an die Hetzjagd von Christian Wulff seinerzeit denke. Letztlich ist von all den aufgebauschten Dingen nur ein Bruchteil übrig geblieben, der für die Staatsanwaltschaft relevant ist. C.W. Verhalten war ganz sicher unklug, in Teilen unmoralisch und wurde und wird von mir nicht gut geheißen. Dass darüber berichtet wurde, beklage ich nicht. Zumal er selbst die Geister rief, die er dann nicht mehr losgeworden ist. Allerdings könnte ich noch weitere Namen nennen, die ähnliches erlebt haben, die sich nicht im Vorfeld den Medien angedient hatten. Insofern wird deutlich, dass es ziemlich unwichtig ist, ob und was sich zuvor abgespielt hatte. Um Stimmung zu machen ist einigen aus der schreibenden Zunft sowie in Teilen von Rundfunk, Fernsehen und Internet offensichtlich beinahe jedes Mittel recht.

Jetzt aktuell wird erneut deutlich, wie Medien sich an Themen festbeißen. Zwei Beispiele dafür.

Dass eine Partei beschließt, ihre Mitglieder nicht mehr nur zahlen zu lassen, sondern ihnen ein Mitspracherecht einräumt, halte ich für Fortschritt. Das ist für mich gelebte Demokratie. Natürlich beinhaltet es die Gefahr, dass das Ergebnis von Umfragen/Wahlen/Abstimmungen nicht zwingend das Wunschergebnis der Parteispitze sein muss. Aber das liegt nun mal in der Natur der Sache. Dafür ist es eine Abstimmung unter dem Freiheitsaspekt.

Außerdem würde so ein Mitspracherecht sicherlich nicht in das Statut aufgenommen worden sein, wenn es diese Folge hätte.
 
In jeder Partei gibt es unterschiedliche Strömungen, die Hardliner, die extrem abweichend Denkenden, die eher Gemäßigten. Diesem Spektrum als Vorstand gerecht zu werden, ist ein Anspruch, den wohl niemand erfüllen kann. Jedes Mitglied kennt das Parteiprogramm, sollte es zumindest kennen und mit dem Beitritt in die Partei darf man unterstellen, dass das der kleinste gemeinsame Nenner ist, auf den sich die Mitglieder verständigt haben. Genauso ist es mit dem Wahlprogramm. Es wurde lange diskutiert. Irgendwann aber musste eine Einigung erzielt werden und ab da hatten sich alle damit zu arrangieren.

Was aber machen nun die Medien aus der vorgesehenen Abstimmung?
Der Öffentlichkeit wird ein Szenario vermittelt, von der Abstimmung würde das Schicksal des Vorstandes abhängen. Es ist schon erstaunlich, welche Verbindungen die Medien stricken. Verbindungen, die für mein Verständnis sehr durchsichtig sind.
Leider gibt es aber viele Menschen, die sich nicht umfassend informieren (können/wollen), sondern solche Behauptungen als gegeben nehmen. Und so kommen dann die Stammtischparolen zustande.

Aus meiner Sicht ist bei dieser Abstimmung der Vorstand nicht gefährdet, darf er gar nicht sein. Es sei denn, es ginge dabei ausdrücklich um das Bleiben oder Gehen der Führung. Alles andere würde dem Demokratiegedanken widersprechen.

Allerdings halte ich auch die Unkenrufe und häufig unter dem Deckmantel von Verantwortung formulierten Empörungen von einigen Hauptakteuren des vorgesehenen Vertragspartners für Strategie. Mir will scheinen, es ist nichts weiter als der Versuch, dem Bürger ein Bild von „die Guten und die Bösen“ zu vermitteln. Diese Scharmützel sind ebenso durchsichtig wie die der Medien und völlig unnötig. Denn beide evtl. Vertragspartner wissen um die vorgesehene Abstimmung. Genau deshalb könnte die eine Seite, wenn ihr die geplante Abstimmung so verantwortungslos erschiene, auf Verhandlungen per se verzichten. Dass sie es nicht tun, zeigt mir, was die Empörungen wert sind.

Interessanterweise hört man von dieser Empörung weniger von der Basis. Denn die fänden es durchaus gut, wenn auch sie in ihrer Partei so einen demokratischen Prozess erleben dürften.
Die Medien aber verstärken die Unkenrufe der führenden Köpfe. Für mein Verständnis ist dieses Verhalten eine Form von Einflussnahme.

Das andere Beispiel ist Limburg. Für mich ist unstrittig, selbst wenn ich nur die Angaben habe, die ich aus den unterschiedlichsten Medien vernehmen konnte, dass sich dieser Bischof falsch verhalten hat. Feudalherrschaft passt nicht mehr in unsere Zeit und zum Gelübde (Armut, Keuschheit, Gehorsam) schon gar nicht.  Dass man nun aber Tebartz-van Elst aufs Übelste in den Medien durchs Dorf treibt, halte ich für menschenverachtend. Es ist noch nicht lange her, da haben Journalisten bekannt, sich bei C.W. falsch verhalten zu haben. Und heute? Haben sie vergessen, dass sie sich so nicht mehr verhalten wollten?

Im Fall Limburg hat ein ganzes System dem Treiben zugesehen. Sicher, der Bischof hatte seine Umgebung zum Schweigen verpflichtet. Aber was ist denn mit den Mitbrüdern? Will mir wirklich jemand erzählen, dass Zollitsch und die anderen Bischöfe nicht mitbekamen, dass es dort gewaltig brodelt? Dass der jüngste Bischof offensichtlich Wahrnehmungsstörungen und ein fehlendes Unrechtsbewusstsein hat, steht außer Frage für mich. Daher finde ich es gut, dass sein oberster Chef ihn vorläufig freigestellt hat. Gleichzeitig gefällt mir, dass Franziskus sich nicht zu einem schnellen Urteil hinreißen ließ, sondern eine Prüfung anberaumt hat.

Aber zurück zu den Medien. Ich verdamme sie keineswegs, im Gegenteil. Es ist ein Segen, zumindest ich empfinde das so, dass ich in ein Land hineingeboren wurde, wo es die Pressefreiheit gibt. Es liegt an jedem selbst, wie intensiv er sich informiert. Dem einen genügt, für seinen Stammtisch, die Sensationspresse, um mitreden zu können. Ich bin wählerischer, verzichte gerne auf eben jene Blätter, nutze dagegen die Bandbreite von Medien, ohne Rücksicht auf die jeweilige Denkanschauung. Selbst Politikern, die mir sonst eher unangenehm sind, höre ich in Politsendungen zu. Andere Sichtweisen können meinen Horizont nur erweitern. Ich muss diese Gedankengänge nicht übernehmen. Aber diese zu kennen, halte ich für notwendig. Nur, so kann ich mir ein umfangreiches Bild machen.

Die Stammtischgespräche sind nicht meine Welt. Zuhause hieß es stets, sich vor Diskussionen um Politik und Religion im Freundes- und Bekanntenkreis zu hüten. Nicht immer wollte ich das einsehen. Inzwischen aber haben mir meine Erfahrungen gezeigt, der Tipp war mehr als klug.

Ich begann meinen Artikel mit der Frage:
So nicht oder doch so?
Die Antwort darauf muss jeder Leser für sich finden.

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Donnerstag, 05. September 2013
Seelenverwandt
By brischitt, 17:26

Wieder einmal klopft ihr Herz, als sie im Postkasten den Namen liest. Ach, was heißt hier wieder einmal. So geht das nun schon die ganze Zeit. Es ist nicht das Herzklopfen, das ihr vertraut war, wenn sie sich dann und wann verliebt hatte. Es ist ein Herzklopfen der ganz besonderen Art. Dieses Herzklopfen hat zwar einen schnelleren Rhythmus, als sonst, aber es ist ein gleichmäßiger Takt. Auch wird es nicht begleitet von Schmetterlingen im Bauch, diesen unsäglich schwingenden Ungeheuern, die das Hirn kaum noch funktionieren lassen. Ihr Herzklopfen entspringt purer Freude.

Lucia lässt sich Zeit, die Nachricht zu öffnen. Sie ist so erfüllt von Glück, immer noch und immer wieder, dass ihre Gedanken eher in die Erinnerung wandern und die Frage in ihr auftaucht, wie es zu diesem Herzklopfen kommen konnte. Gleichzeitig weiß sie, auf dieses Warum wird es nie eine Antwort geben. Es gibt einfach Dinge, die geschehen. Die sollte man dankbar annehmen und genießen.

Arme streckten sich seinerzeit aus, zarte und doch kräftige Arme, umschlangen ihren Hals zur Begrüßung.
 
In einer geschützten Öffentlichkeit hatten beide Frauen zuvor voneinander schon einiges gelesen. Jeder für sich empfand, dass man die Ansicht des anderen zumeist teilte. Dass Lucia aber bei der ersten Begegnung solch Zuneigung erwarten würde, damit hatte sie nicht gerechnet. Wo viele Menschen an einem Tisch sitzen, kann kaum ein intensives Gespräch stattfinden. So ging es auch ihnen. Der Zeitplan war zudem gegen sie, sodass es zu keiner Vertiefung kommen konnte.

Ihrem Gefühl von Dankbarkeit musste Lucia sich zuhause Luft machen. Briefe schreiben, dafür war sie bekannt, das konnte sie.

Ihre Zeilen, darauf achtete sie sehr, waren nicht überschwänglich, nicht anbiedernd. Dennoch kam deutlich ihr Erstaunen über die Zuneigung einerseits und die Freude andererseits zum Ausdruck. Mit einem Klick schickte sie ihre Nachricht in den Äther , nicht damit rechnend, dass sie umgehend Antwort bekommen würde. Schließlich musste die Empfängerin selbst erst wieder in ihrem Zuhause ankommen und in den Alltag finden.

Ein Austausch kann sehr oberflächlich sein und doch Spaß machen. Dieser Austausch jedoch wurde alles andere als oberflächlich. Es brauchte kein vorsichtiges vortasten, um zu erkennen, wie der andere tickt. Das sich öffnen, sich zeigen, hinter die Kulissen sehen lassen, war völlig selbstverständlich. Damit verbunden war die Erkenntnis, dass zwar die Herkunft unterschiedlich war, in der Summe aber das Ergebnis identisch, wie der Umgang sein muss, damit sie sich wohlfühlen. Während die eine ihre guten Erfahrungen im Leben als selbstverständlich ansah, erkannte sie in der Erzählung der anderen, dass das keineswegs die Regel ist. Die andere wiederum erfuhr durch den Austausch, dass in ihr weit mehr Fähigkeiten schlummern, als sie selbst ahnte. Ihr wurde eine Welt eröffnet, die sie in der Tiefe ihrer Seele stets suchte, aber sich dessen wohl nie bewusst war.

Lucia öffnet mit einem Klick die neue Nachricht, wissend, dass Vertrautheit und Innigkeit die Basis ihrer Korrespondenz sind. Wieder saugt sie die Antworten zu den einzelnen Themen wie einen Schwamm auf. Auch diesmal findet sie kaum unterschiedliche Sichtweisen, wohl aber unterschiedliche Erfahrungen. Die Formulierungen sind ein Genuss, der dann und wann aufkeimende Humor Würze, die gelieferten Gedanken entweder wohltuende Übereinstimmung oder Öffnung ihres Horizonts und damit Basis für erneuten Austausch.

Eben seelenverwandt.

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Montag, 26. August 2013
Märchenstunde
By brischitt, 20:01

Es war einmal......

..... ein Mädchen, das hatte alles, was es brauchte. Eine liebe Mutter, einen treusorgenden Vater. Es bekam zu essen und zu trinken, wurde eingekleidet, hatte Spielzeug je nach Wunsch. Kurz um es wurde verwöhnt. Nicht, dass es im Überfluss lebte, aber alles, wonach ihr der Sinn stand und die Erwachsenen bezahlen konnten, durfte es haben. Lachen, Weinen, Freude, Sorgen, alles konnte sie mit den Eltern teilen und abends war ihr Zeit mit ihnen ebenso sicher, wie der Gute-Nacht-Kuss. Man könnte sagen, es war in Liebe eingebettet.

Wie alle Kinder, nahm das Mädchen all das für selbstverständlich. Die Eltern erzählten ihr zwar, dass nicht alle Kinder ein so schönes Zuhause haben. Aber das wollte das Mädchen gar nicht hören. Schon als kleines Kind  konnte es nicht leiden, wenn es Dinge tun sollte, das es nun mal nicht tun wollte. Es wollte sich an keine Regeln halten, die ihr die Erwachsenen abverlangten.
Das Kind fand sie es ziemlich blöd, bei der Begrüßung die Hand zu reichen und dann auch noch die Leute anzusehen. Wozu, wenn sie in dem Moment doch viel lieber in ihrem Zimmer bleiben und spielen wollte. Renitent wie es war, fiel ihm meist etwas ein, um dem Wunsch der Eltern widerstehen zu können.
Noch blöder war’s dem Mädchen, wenn es von Onkel und Tante in den Zoo mitgenommen wurde oder von ihnen ein Geschenk erhielt und es sich dann bedanken sollte. War es nicht selbstverständlich, dass die Zwei was mitbrachten? So lange sie denken konnte, immer fiel etwas ab. Auf einmal sollte es Danke sagen, auch noch einen Knicks machen.
Ganz ätzend aber empfand das Kind, nach dem Essen den eigenen Teller, Besteck und noch etwas anderes vom Tisch mitzunehmen, um die Teile in die Küche zu bringen.

Oft gab es mit den Eltern Streit. Diese blöden Sprüche von wegen „das tut man“ "das tut man nicht" machten es bockig. Noch schlimmer „Kind, du lernst für Dein Leben, nicht für mich“ fand es einfach nur abartig.

Wie in jedem Jahr, so auch an ihrem 12. Geburtstag, kam die Mutter an ihr Bett, sang ihr ein Lied, nahm sie in den Arm und gratulierte ihr herzlich. Nachdem das Mädchen kurz mit dem nassen Lappen durchs Gesicht gefahren war und Zähne geputzt hatte, an ihrem Ehrentag war es viel zu aufgeregt, um sich fürs Waschen mehr Zeit zu nehmen, kam es in die Wohnküche. Das Frühstück stand wie jeden Morgen bereit, die Eltern saßen bei ihm. Ansonsten deutete nichts darauf hin, dass hier ein Geburtstag stattfand. Es spürte Enttäuschung. Aber das Mädchen kannte doch ihre Eltern. Da wird sicherlich im Laufe des Tages noch eine Überraschung warten, dachte es. Allerdings staunte es, dass das gewohnte Päckchen von Oma fehlte und von Erna, der Patentante, der ersehnte Geldschein auch nicht zu sehen war. Dabei hatte das Mädchen damit fest gerechnet, schließlich war ihr Taschengeld längst aufgebraucht in dieser Woche.

Ein Geburtstag ohne Geschenke fand das Kind unmöglich und so füllte sich sein Inneres mit Zorn. Aber zeigen wollte es nicht, was es fühlte. Auf Schadenfreude konnte es gut verzichten. Immerhin wusste es ja, dass es nun in der Schule Mittelpunkt sein würde. Die Lehrer würden gratulieren und dann würde es, wie üblich hören, dass keine Hausaufgaben zu machen seien.  Hoffnungsfroh ging es daher von dannen. Aber auch diese Vorfreude wurde getrübt. Kein Lehrer gratulierte. Das Erlassen von Lernübungen zuhause wurde nicht ausgesprochen. Der Geburtstag wurde einfach übergangen. Auf dem Heimweg ließ es seinen Frust an so manchem Baum und Strauch aus.

Den ganzen Tag über wartete die 12jährige darauf, dass doch noch eine Gabe sie erreichen würde. Die Anspannung einerseits und die Enttäuschung andererseits waren riesengroß. Als die Eltern sie zu Bett brachten und ihr Geburtstag tatsächlich ohne ein Geschenk vorbei gehen sollte, waren all ihre Vorsätze, ihre Gefühle nicht zu zeigen, dahin. Sie brach in Tränen aus. Sturzbäche verließen ihre Augen. Aber selbst jetzt war alles anders. Die tröstenden Armen, die sie sonst umfangen hielten, streckten sich nicht aus. Vater und Mutter waren in ihrem Zimmer anwesend, aber auch nicht mehr.

Das herzzerreißende Schluchzen ging allmählich in ein leichtes Schniefen über. Nun waren sich die Eltern sicher, dass das Kind aufmerksam sein und zuhören würde.

„Kind, das Miteinander unter Menschen spielt sich nach gewissen Regeln ab“ sagte der Vater und führte weiter aus. „Wenn man diese nicht beachtet, kann das Konsequenzen haben. Das Geben und Nehmen sollte immer in einem annähernd gleichen Verhältnis stehen. Wenn Menschen Dir was geben, solltest Du was zurückgeben. Wenn Mutter für uns kocht, ist es unser Zurück geben, dass wir zumindest den Tisch abräumen und ihr beim Spülen helfen. Und wenn man etwas geschenkt bekommt, wie Einladungen, Zeugnisgeld oder Geburtstagsgaben, dann ist das keine Selbstverständlichkeit. Nach der erwähnten Regel des Zusammenlebens ist dann die Gegenleistung, der andere Teil vom Nehmen, das Dankeschön. Wenn Du für Dich entscheidest, Du willst nur nehmen, aber nicht geben, dann reagieren die Menschen, weil sie sich nicht respektvoll behandelt fühlen.
Du wehrst Dich mit Händen und Füßen gegen diese Regeln. Du nimmst zwar, aber Du willst nicht geben. Es interessiert Dich auch nicht, dass Du uns damit blamierst. Denn wir haben Dir schon sehr früh vorgelebt und beigebracht, dass Danke sagen zum Miteinander gehört.

Da es Dir widerstrebt, die Regeln zu beachten, nehmen nun alle auf Dich Rücksicht und schenken Dir künftig nichts mehr. Dann bist Du endlich die große Last des Dankesagens los. Heute haben wir damit angefangen."

Aus dem kleinen Mädchen ist eine alte Frau geworden, die dieses Erlebnis nie vergessen hat.
Wie bei ihren Eltern einst, haben auch bei ihr Kinder mehrere Chancen. Nutzen sie diese nicht, egal aus welchem Grund, stellt sie ohne weitere Vorwarnung das Schenken ein.

Unterm Bett des Mädchens zog die Mutter damals doch noch ein kleines Päckchen hervor, auch, damit das Kind die Möglichkeit hatte, zu zeigen, ob es verstanden hat.

Sie hatte - für den Rest ihres Lebens.

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